HMV_LogoStadtkapelle Hanauer Musikverein Kehl e.V.

 

Die Stadtkapelle Kehl lud beim Jahreskonzert zu einer klang- und anspruchsvollen Weltreise ein –
und die Zuhörer im voll besetzten Stadthallen-Saal gingen begeistert mit.


Von Alexander Gehringer

Kehl. Einmal um die halbe Welt ging's mit der Stadtkapelle Kehl beim Jahreskonzert am Samstagabend. Denn in der ausverkauften Stadthalle führten die Musiker nicht nur quer durch die Stile, sondern auch rund um den Globus. Drei Vereine hatten zur großen Reise eingeladen: Neben Hanauer Musikverein und Harmonie Sundheim ist seit 2023 auch die Harmonie Auenheim an Bord, erstmals verstärkte sie nun das Gemeinschaftsorchester bei einem Stadthallen-Auftritt.

Schon die Jugendkapelle, geleitet von Esther König-Leblond, begab sich auf Abenteuer-Tour: Bei "Pirates of the Aegean" von David Bruce folgten die Jungmusiker den Seeräubern ins Ägäische Meer, bevor sie mit "Despacito" – bekannt durch Justin Bieber – in Puerto Rico anlegten. Von der Block- und Querflöte über Saxofon und Horn bis zur Violine reichte die Instrumenten-Vielfalt bei den Zöglingen, die sich den dankbaren Applaus am Schluss mehr als verdient hatten.

Schwungvoll übernahm die große Kapelle unter Markus Göpper danach die Tourleitung: mit der "Fanfare of the Benefaction from Sky and Mother Earth" des Japaners Satoshi Yagisawa, inspiriert von der Natur seiner fernöstlichen Heimat. Als ersten Abstecher zur Filmmusik konnte Elisabeth Baumert vier anspruchsvolle sinfonische Themen von "Kinosaurier" John Williams anmoderieren: Der bombastischen "Flaggenparade" folgten die melodische "Hymne an Neu-England", die düster-dramatische "Schicksalsschlacht" sowie die "Parade der Sklavenkinder" mit ihren virtuosen Läufen. Ein Auftritt, der beim begeisterten Publikum manche "Star Wars"- und "Indiana Jones"-Szene in Erinnerung rief.
Mit den ungarisch gefärbten "Zigeunerweisen" des Spaniers Pablo de Sarasate bot das Konzert ein besonderes Erlebnis: die ungewöhnliche Kombination von Blasorchester und Solo-Violine. Und mit Lea Balzar beeindruckte eine junge Kehler Geigenvirtuosin: gefühlvoll im langsamen Part, den zahlreiche kunstvolle Kadenzen prägen, feurig und temperamentvoll im schnellen Teil – und alles auswendig vorgetragen. Stürmischer Beifall war der 21-jährigen Solistin sicher.
Aber auch in den eigenen Reihen hat die Kapelle begabte Alleinunterhalter – wie Dirk Schoch beim musikalischen Wochenendtrip nach New York bewies: "Manhattan" von Philip Sparke für Trompete und Orchester entführte ins Herz der Weltstadt; dem Samstagabend in einer Jazzbar bei getragenen Blues-Klängen mit strahlenden Solo-Passagen schloss sich ein furios-beschwingter Sonntagsspaziergang durch den Central Park an. 
Bei Philip Sparke machte die Kapelle noch länger Station – und zunächst auch in Amerika. "Invictus – Die Unbesiegten", einen musikalischen Tribut an die US Army, kennzeichnen zarte Holzbläser-Soli ebenso wie Marschrhythmen. Eine weitere Sparke-Komposition geht zurück auf einen traumatischen Tag (nicht nur) der Geschichte Japans: Das Benefiz-Werk "The Sun will rise again", entstanden nach der Fukushima-Katastrophe 2011, sollte dem Land der aufgehenden Sonne neue Hoffnung geben. 
Besonderes für Ohr und Auge erlebte das Publikum bei James Horners romantischem Stück "The Ludlows" aus dem Film "Legenden der Leidenschaft": Mal zarte, mal inbrünstige Orchester-, Trompeten- und Klavierparts begleiteten die schönsten Leinwand-Szenen des Familiendramas, das in den USA der 1920er spielt. Und die wuchtigen Themen aus "The Rock", komponiert unter Mitwirkung von Hans Zimmer, brachten gleich noch mehr Kino-Atmosphäre in die Stadthalle.
Selbstverständlich hatten die Musiker auch leichtere Kost im Gepäck. In eine Fantasie-Welt der Freiheit und Abenteuer führte Chuck Mangiones "Land of make believe" im Samba-Rhythmus. Eine Zeitreise in die 60er bot "Daydream Believer", bekannt durch die Band The Monkees und diesmal mit einem Schuss Swing angereichert. Und Jimmy Webbs pompöser Streifzug durch den MacArthur Park in Los Angeles, einst ein großer Hit für Richard Harris und auch für Donna Summer, markierte den fulminanten Schlusspunkt der musikalischen Reise.
Die Zuschauer auf den voll besetzten Rängen allerdings hatten auch nach knapp drei Stunden noch nicht genug, spendeten Jubel und frenetischen Applaus – da musste eine kleine Zusatz-Tour folgen: nach Österreich zu Udo Jürgens (inklusive einer Extraportion New York) und mit "The Great Escape" schließlich zum US-Film "Gesprengte Ketten".

Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.