HMV_LogoStadtkapelle Hanauer Musikverein Kehl e.V.

Flamenco, Bossa Nova, irische Folklore und sinfonische Blasmusik: Die Stadtkapelle Kehl reiste beim Jahreskonzert quer durch Länder und Stile. Und am Schluss gab's ein kleines Jubiläum.

 

Kehl. Sie entführten ihr Publikum ins Elsass, nach Irland, Spanien, Brasilien – und in die Tiefen des Meeres: Zweieinhalb Stunden lang luden die Musiker der Stadtkapelle Kehl beim Jahreskonzert zur großen klangvollen Reise ein. "Leinen los und Schiff ahoi!":

Aufs Kommando ihrer Leiterin Esther König-Leblond stach die Jugendkapelle in See. Sie eröffnete den Abend mit dem behäbigen Seemannslied "Wellerman" aus dem 19. Jahrhundert, heute durch The Longest Johns und Nathan Evans bekannt. Stücke aus der Filmreihe "Fluch der Karibik" schlossen sich an – ein erfolgreiches musikalisches Meeresabenteuer, das den jungen Künstlern viel Beifall einbrachte.

An einen Sternenflug hingegen erinnerte das Auftaktstück der großen Kapelle unter Markus Göpper: Erich Wolfgang Korngolds Fanfare zum Film "Kings Row" von 1942 ähnelt sehr dem berühmten "Star Wars"-Thema – kein Wunder, denn der österreichische Musiker diente John Williams als Vorbild. Kraftvolle, strahlende Fanfarenklänge prägten ebenso das sinfonische "Majesty" von Thierry Deleruyelle zu Ehren von Queen Elizabeth II., aber auch lyrische Einlagen etwa von Flöte und Oboe.

In die nordische Mythologie begab sich das Orchester mit "Fate of the Gods". Steven Reineke vertont hier die Legende von Gott Ragnarok, der im Widerstreit von Gut und Böse den Kosmos zerbrechen lässt und eine neue, idyllische Welt erschafft. Entsprechend kontrastreich das Werk: mal düster-bedrohlich, mal mit romantischen Bläsersoli. Moderatorin Andrea Beck hatte mit "ganz großem Kino" nicht zu viel versprochen.

Leidenschaftlich-temperamentvolle Filmmusik spanischer Prägung zeichnet dagegen "Die Maske des Zorro" aus. Das facettenreiche Bild des mutigen wie charmanten Helden illustrierte James Horner etwa mit Kastagnetten-Rhythmen und Trompetensoli – wechselnd zwischen tänzerischer Ausgelassenheit und Dramatik.

Aus südlichen Gefilden ging es zurück in die Heimat: Das Klanggemälde "La Légende de Sainte Odile" von Mario Bürki widmet sich der Schutzpatronin des Elsass, die der Legende nach blind geboren und durch ein Wunder sehend wurde. Zarte Klänge, schwebende Harmonien und dramatisch-rhythmische Passagen schufen eine mystische Atmosphäre – begleitet von eindrucksvollen Leinwandbildern des Odilienbergs.

"Desafinado" bedeutet "verstimmt" – was jedoch zur Kehler Stadtkapelle nicht passte, als sie mit dem gleichnamigen Welthit von Antonio Carlos Jobim den zweiten Konzertteil eröffnete. Der locker-leichte Bossa Nova ließ sicherlich manchen Zuhörer gedanklich zu einem Caipirinha an die Copacabana entschweben. Doch schon ging die Tour weiter nach Irland zum weltberühmten Spektakel "Riverdance". Einem langen lyrischen Trompetensolo im keltischen Stil, vorgetragen von Dirk Schoch, folgten rasante irische Rhythmen, im Original mit Dudelsack, Violinen und Stepptanz. Die Kehler Musiker hingegen – darunter als Solisten Esther König-Leblond (Piccolo), Jörg Merbitz und Franziska Erhardt (Saxofon) – ließen ihre Finger virtuos über die Blasinstrumente tanzen: Sie beherrschten schnelle, lange Läufe und ständige Taktwechsel – und ernteten begeisterten Applaus.

Auch Klassiker von Queen präsentierten sich an diesem Abend als "Symphonic Highlights" in neuem Gewand. Blech- und Holzbläser übernahmen die Parts von E-Gitarren und Freddie Mercurys Gesang – bei "Bicycle Race", "Who wants to live forever", "We are the Champions" und der "Bohemian Rhapsody". Nach diesen bombastischen Nummern war es an der Zeit, den rund 400 Zuhörern in der ausverkauften Stadthalle leichtere melodische Kost zu servieren: 70er-Jahre-Softpop der Carpenters, darunter "Top of the World" oder "Close to you". Zum Finale ging es dann nochmals aufs Meer hinaus: Abtauchen in Disneys Filmwelt hieß es zur Musik aus "Arielle, die Meerjungfrau" – mit verträumten Passagen und dem tänzerischen "Under the Sea".

Keineswegs auf Tauchstation gehen musste am Ende des umjubelten Konzerts der Mann, der die Stadtkapelle seit zehn Jahren durch stürmische und ruhige Wasser führt: Markus Göpper wurde mit Konfettiregen gefeiert. "Du hast es geschafft, Musiker aus Auenheim, Kehl und Sundheim zusammenzuführen und aus drei Vereinen ein gemeinsames Orchester zu formen!", lobte Vorstandsmitglied Dieter Baumert die musikalische Leidenschaft des Dirigenten.

Und weil Letztere auch beim Publikum noch nicht abgeklungen war, legte die Kapelle sogleich zwei Zugaben nach: Das romantische "Someone like you" aus dem Musical "Jekyll & Hyde" und Hits des "King of Pop" Michael Jackson rundeten einen vielgelobten Konzertabend ab.

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