HMV_LogoStadtkapelle Hanauer Musikverein Kehl e.V.

Abseits des Kommerziellen

Die Stadtkapelle Kehl gab am Sonntag in der Kirche Auenheim ein Weihnachtskonzert. Mit internationalem Repertoire und deutschen Liedern zum Mitsingen wurde es fröhlich und lebhaft.

Quelle: Kehler Zeitung, Autor: Simona Ciubotaru (Beitrag vom 24.12.2025)

Kehl-Auenheim. Wer für eine gute Stunde dem alltäglichen Trubel entfliehen wollte, fand auch in diesem Jahr bei der Stadtkapelle Kehl einen stimmungsvollen Fluchtpunkt – und zwar in der evangelischen Kirche in Auenheim. Dorthin lud auf Sonntag das Orchester zum traditionellen Adventskonzert ein, wo in Gegenwarteines sehr zahlreich erschienenen Publikums aus allen Altersstufen ein wahres Fest der Musik stattfand. Instrumentalisten aus Kehl, Sundheim und Auenheim spielten unter der Leitung von Markus Göpper in der vereinten großen Bläserkapelle und gestalteten ein vielseitiges Programm. Im Zentrum standen Werke aus Musical, Film und populärer Weihnachtsmusik, welche für Blasorchester arrangiert worden sind. Der Abend wurde mit dem Klassiker „I Saw Mommy Kissing Santa Claus“ von Tommie Connor eröffnet, der seit den 1950er-Jahren fester Bestandteil der Weihnachtstraditionen in Amerika ist. Schwungvoll gespielt, verbreitete der Song gleich eine fröhliche Stimmung in der Auenheimer Kirche.

Akkurat gespielt

Die Jugendkapelle unter der Leitung von Esther König-Leblond brachte darauf mit den englischen Weihnachtsliedern „Away in a Manger“ und „Hark! The Herald Angels Sing“ zwei Kompositionen zu Gehör, deren Ursprünge bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Zwar in sehr langsamen Tempi gespielt, aber sehr schön akkurat. Zurzeit würde die Stadtkapelle Kehl um die 55 Schüler haben, die ein Instrument im Verein lernen, teilte der Moderator Dirk Schoch dem Publikum mit. Zum Repertoire gehörte auch „Someone Like You“ aus dem Musical "Jekyll & Hyde", bei dessen weit gespannten Melodielinien das vereinte Blas- orchester  seinen warmen und reinen Sound entfalten konnte. Mit „Send in the Clowns“ von Stephen Sondheim aus "A Little Night Music" erklang ein Stück, das mit seiner zurückhaltenden Melancholie zutiefst berührte. Das neu gegründete Saxofon-Quintett der Stadtkapelle steuerte mit „The Most Wonderful Time of the Year“ und „You’re a Mean One, Mr. Grinch“ swingend-leichte Beiträge bei. Das Besondere dabei: Der Dirigent Markus Göpper war mit von der Partie und spielte selber. Einen glanzvollen Akzent setzte der gemeinsame Auftritt des Orchesters mit der großartigen Sopranistin Lilia Dornhof, die spontan für die erkrankte Gesangssolistin Ilona Braunstein einsprang. „Gabriellas Song“ aus dem schwedischen Film „Wie im Himmel“ lebt von seiner volksliednahen Melodieführung und entfaltete im Zusammenspiel von Gesang und Bläserklang eine eigenartige Ausdruckskraft. Bei den deutschen traditionellen Weihnachtsliedern war das Publikum zum Mitsingen eingeladen. So verstand sich das Konzert nicht nur als musikalischer Vortrag, sondern auch als gemeinschaftliches Erlebnis in der stimmungsvollen, mit Kerzenschein erhellten Atmosphäre der Kirche Auenheim. Und so ertönten wie aus einer Brust die Klassiker „Alle Jahre wieder“, „Es ist ein Ros entsprungen“, „Kling, Glöckchen“ und natürlich „Stille Nacht“.

Gesten der Güte

Dirk Schoch erinnerte in seiner Moderation einfühlsam an die Einsamen, an alle, die keine Familie haben oder geliebte Menschen verloren – an ihre Tristesse und Trostlosigkeit zu Weihnachten. An die Armen in der ganzen Welt, an die Abertausenden aus den Kriegsgebieten, die kein Zuhause mehr haben. "Eine Segnung für sie und ein Gebet, Gesten der Güte und Hilfeleistung zählen jetzt enorm und geben dem Weihnachtsfest seinen Sinn zurück, abseits des vorlauten kommerziellen Getobes", so Schoch.