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100 Jahre

Stadtkapelle "Hanauer" Musikverein Kehl e.V.

 

 

Ein Musikverein, der auf 100 Jahre Bestehen zurückblicken kann, darf für sich in Anspruch nehmen, das kulturelle Leben in der Heimat, vielfach auch darüber hinaus, mitgestaltet zu haben.
Die "Hanauer" haben nicht nur das kulturelle Leben mitgestaltet, sondern dazu beigetragen, nach ihrer Satzung, die Blasmusik gefördert und weiterentwickelt, beim Musizieren Freude empfunden und diese Freude auch anderen vermittelt und sich für die Erhaltung der Hanauer Tracht eingesetzt.

 

gegründet 1896

Man schrieb das Jahr 1896, als sich im "Dorf" Kehl einige junge musikbegeisterte Männer zusammenfinden um einen Musikverein ins Leben zu rufen. Der Verein wurde am 1.11.1896 gegründet und spontan erklärte sich der damalige Ratschreiber von "Dorf" Kehl, Friedrich Hauß II. bereit, den Vorsitz zu übernehmen. Er ist der Schöpfer des bis auf den heutigen Tag erhaltenen Namens.

 

die erste Fahnenweihe

Vier Jahre innerer Aufbau durch aktive und fördernde passive Mitglieder gaben dem jungen Verein das nötige Fundament. Sie bescherten ihrer Gemeinde am 1. Juli 1900 ein großes festliches Ereignis, die erste Fahnenweihe. Der erste Dirigent des Vereins war Albert Schmitt.
Bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges wechselte die Vorstandschaft mehrfach. Ebenso wurden Herr Albert Becker und Herr Hermann Dietsche als Dirigenten erwähnt. Offen ist, wann sich diese Veränderungen abspielten; denn auch Kehl hatte in den Kriegsjahren viel durchzumachen, Vereinsunterlagen gingen verloren. Am 1. April 1920 übernahm Hermann Gerhardt die Stabführung. Er leitete einen Aufstieg der Kapelle ein, der unvergleichbar war, und das in einer Zeit der Inflation, der fremden Besatzung und der zunehmenden Massenarbeitslosigkeit. Weit über die Grenzen des Hanauerlandes hinaus machte er seine "Hanauer" zum Begriff, der Gültigkeit hatte und Respekt genoß. Unter ihm verband die Stadtkapelle Karlsruhe und den "Hanauer Musikverein" eine Freundschaft, welche die laufende Anwesenheit der "Hanauer" in der damaligen großherzoglichen Residenz beinahe zur Selbstverständlichkeit werden ließ.Indessen war Karlsruhe nur eine der zahlreichen Stationen, zu denen er die "Hanauer" führte - insgesamt 17 Jahre lang mit großem musikpädagogischem Geschick und künstlerischem Leistungsvermögen.

 

Die "Hanauer" werden Stadtkapelle

Noch einem Ratsprotokoll vom 1.Oktober 1930 wurde dem Verein gestattet, sich "Stadtkapelle" nennen zu dürfen. Da damit für die Gemeinde keine finanziellen Verpflichtungen verbunden sind, wurde dieser Bitte entsprochen. Kehl-"Dorf" gehörte ja inzwischen zur Stadt Kehl. Daß die Verleihung des Titels "Stadtkapelle" seine Berechtigung hatte, war durch großartige Erfolge aufgezeigt.

1924 - Oberachern:
1.Preis beim Wertungsspiel mit der Jubelouvertüre von Bach. Es folgte der Preis der Stadt Karlsruhe beim dortigen großen Musikfest. 1925: Die "Hanauer" in Cannstatt zur Fahnenweihe des dortigen Vereins, 1. Preis und beste Tagesleistung mit der Militärfest-Ouvertüre.

1928:Im Wertungsspiel in Schramberg mit "Rosamunde" von Schubert bewiesen die "Hanauer" ihren Spitzenstand. 1931 die Note hervorragend für "Das goldene Kreuz" beim Gaumusikfest in Kehl-Sundheim. Gleich zwei Gastspiele in den Jahren 1934 und 1937 bei den damaligen Funkausstellungen in Berlin sprengten den Rahmen der engeren Heimat, erfüllten höchste Ansprüche und waren Ursache, daß die Kapelle weithin in Deutschland bekannt wurde. Hamburg, mit der Teilnahme am Weltkongroß für Freizeit und Erholung 1936, lag dazwischen.

Einladung folgte auf Einladung, Reise auf Reise - Koblenz, Nürnberg, Stuttgart, Freiburg, um nur einige zu nennen. Kaum verwunderlich, denn 1939 verzeichnete der Verein unter Vorstand Georg Schwarz die Zahl von 54 aktiven Musikern und rund 600 passiven Mitgliedern. Stadtkapellmeister Otto Friedrich, der Hermann Gerhardt nach 17jähriger Dirigententätigkeit 1937 ablöste, hatte maßgeblichen Anteil an diesen Erfolgen und war würdiger und fähiger Nachfolger in einem, den ganzen Mann fordernden, Amte.

 

Auswirkung des 2.Weltkrieges

Unser letzter Vorstand vor Ausbruch des 2.Weltkrieges war Georg Schwarz. Eine stattliche Anzahl von Musikinstrumenten, zwei prächtige Schränke, gefüllt mit Siegestrophäen des Vereins konnte die Stadtkapelle ihr Eigen nennen. Krieg und Nachkriegsfolgen nahmen unserem Verein die materiellen Werte restlos.
Welche Bitternis für die überlebenden Mitglieder der Kapelle noch dem 2.Weltkrieg, den Verein von der höchsten Stufe des Erreichbaren ins absolute Nichts gerissen zu sehen: Die Rückkehr in die Heimat versperrt, die Reihen der Musiker gelichtet, die Überlebenden weit verstreut, ein Vereinsvermögen von unschätzbarem Wert vernichtet.

 

Stunde der "Wiedergeburt" 1950

Und dennoch kam die Stunde der Wiedergeburt für die Kapelle. Eine kleine unentwegte Musikerschar rief den "Hanauer Musikverein" am 21.6.1950 erneut ins Leben, nachdem die Heimatstadt freizuwerden begann. Karl Schutter trat als Vorstand an die Spitze. Vor die schwierigste Aufgabe wurde Otto Friedrich gestellt, denn an ihm lag es, aus wenigen Männern wieder eine Stadtkapelle zu machen. Wenn er dies geschafft hat, dann darf der damalige Korpsführer Emil Sommer nicht unerwähnt bleiben. Selbst hervorragender Musiker, bildete er eine Reihe junger Leute aus, die viele Jahre das musikalische Rückgrat bildeten.

 

"Hanauer" Tracht

Friedrich Nückles löste 1951 den erkrankten Karl Schutter als 1.Vorsitzenden ab. Er hatte sich eine besondere Aufgabe gestellt und setzte sie auch durch: Die Wiederbeschaffung der "Hanauer" Tracht. 1952 war es so weit. 3.Gaumusikfest, ausgerichtet durch die Stadtkapelle "Hanauer Musikverein" auf dem Festplatz an Pfarrgasse und Schuttermühlkanal. Staunend und begeistert sehen die aus der Fremde größtenteils heimgekehrten Kehler zum ersten Male wieder ihre "Hanauer" in Tracht. Die musikalische Arbeit wurde darüber hinaus nicht vernachlässigt, denn im darauffolgenden Jahr errang die Kapelle beim Bundesmusikfest in Singen mit "Madame Bufferfly" das Prädikat "beste Tagesleistung" und die Note "hervorragend". Im gleichen Jahr veranstaltete die Stadt Baden-Baden unter der Schirmherrschaft und in Gegenwart des damaligen Bundeskanzlers Adenauer ein Rosenkorso, bei dem Musik und Tracht der "Hanauer" begeistert gefeiert wurden. 1954 stand im Zeichen der Weihe der neuen Vereinsfahne, gestiftet von Alois Olland. In buntem Wechsel lösten sich musikalische und folkloristische Erfolge

Noch Friedrich Nückles übernahmen Hermann Geiler, Karl Heckmann und Fritz Schütterle gemeinsam die Führung, bis sie 1957 Ernst Schwer als neuen Vorsitzenden gewannen. Sein Werk ist es, daß die "Hanauer" seit 1959 auch mit einer Trachtengruppe aufwerten konnten, zuerst von Frau Mina Walter und später von Frau Erna Mößner betreut. Als integrierter Teil des Vereins war ihre Aufgabe die Pflege des Volkstanzes. Hier ist ein Name mit großen Buchstaben in die Vereinsgeschichte zu schreiben: Anita Heck! Sie wurde für die choreografische Betreuung gewonnen. Sie hat es verstanden, mit großem Ideenreichtum für die Volkstanzgruppe ein Repertoire an Tänzen zu erarbeiten und einzustudieren, das bei vielen Auftritten die Aufmerksamkeit auf sich lenkte.
Es folgten gemeinsame Auftritte von Kapelle und der Volkstanzgruppe.

 

Internationale Auftritte

1961: Eidgenössisches Trachtenfest in Basel.
1963 brachte etwas bisher einmaliges in der Vereinsgeschichte: sechs französische Städte hatten eingeladen: Charolles, Vichy, Le Mont-Dore, Aurillac, Confolens und Royan um Atlantik. Zwei volle Wochen waren 54 "Hanauer und Hanauerinnen" als musikalische und folkloristische Boten ihrer deutschen Heimat unterwegs. Die Begeisterung der Gastgeber fegte gleich beim ersten Auftritt auch die letzten Bedenken, wie man wohl "ankommen" möge, restlos hinweg. Kontakte wurden geknüpft mit Musik-und Trachtengruppen aus ganz Europa und darüber hinaus, jedem unauslöschlich im Gedächtnis haftend. Vier Tage in La Rochelle folgten gleich 1964 - Nancy, Audincourt und Obernai wurden besucht. Musikalisch überragend in diesem Jahr war aber unzweifelhaft das 10. Große Internationale Konzert der Bodenseeländer in Überlingen. Mit österreichischen und schweizerischen Kapellen der offizielle Vertreter der Bundesrepublik zu sein, war wohl die größte Anerkennung und Auszeichnung, die sich Otto Friedrich mit seinen Musikern wünschen konnte.

 

Der Spielmannszug kommt hinzu

In den sechziger Jahren hatte in aller Stille, aber um so energischer, der erste Tenorhornist der "Hanauer" Willi Heidenwag, für die Freiwillige Feuerwehr in Kehl einen Spielmannszug von beachtlicher Qualität und Stärke aufgebaut. Es lag nahe und entsprach dem beiderseitigen Wunsch der Aktiven, diesen Spielmannszug auch zum Bestandteil der Stadtkapelle werden zu lassen. Nicht zuletzt deshalb, weil sich für ihn dadurch zusätzliche Auftrittsmöglichkeiten ergaben. Der Spielmannszug löste sich aber leider um 1976 auf.

 

Die 60iger Jahre

1965 war die Stadtkapelle zum Maiglöckchenfest in Compiège. Herr Karl Heckmann war zu diesem Zeitpunkt Dirigent. Er konnte seine ausgezeichneten Dirigentenqualitäten nur kurze Zeit der Stadtkapelle widmen. Schwer erkrankt gab es für ihn, der im Innern nur für die Hanauer und die Musik lebte, nur die Wahl, auf den Taktstock zu verzichten.
Franz Heymann, damals Präsident des "Hanauer" Musikverbandes, nahm ihn auf Wunsch der "Hanauer" auf, in schwieriger Lage rettender Helfer werdend, denn das 70jährige Jubiläum stand 1966 vor der Tür. Unter seiner musikalischen Leitung lief das bisher größte Kehler Musik- und Trachtenfest ab. Ideel ein großer Erfolg durch die Teilnahme bedeutender Kapellen. Kehl erlebte am 14. August 1966 einen einmaligen Trachtenfestzug. Leider wurden bei diesem Fest die materiellen Erwartungen nicht erfüllt. Dies hat uns auch bewogen, 1996 auf die Durchführung des Kreistrachtenfestes zu verzichten. Zu erwähnen ist auch, daß uns bei diesem 70jährigen Vereinsjubiläum alle Nachbarvereine, besonders auch die Stadtkapelle Harmonie, Kehl-Sundheim, unterstützten.

Das von den damaligen Vorsitzenden Heinz Krummel und Karl-Heinz Liebhaber begonnene Freundschaftswerk erlebte 1967 beim Sundheimer Erntefest seinen ersten Höhepunkt, als die Harmonie ihr Programm unter das Motto stellte: "Die "Hanauer" zu Gast in Sundheim
Unser Bestreben ist es, mit allen Musikvereinen der Großen Kreisstadt Kehl ein gutes Verhältnis zu pflegen. Diese Gelegenheit ergibt sich beim "Kehler Messdi", bei dem immer wieder die Kehler Vereine bereit sind, in unserem Festzelt mitzuwirken.

 

"Kehler Messdi"

Nach einem großartigen Start und Verlauf dieses Straßenfestes 1971 ergaben Gespräche unseres ehemaligen Vorsitzenden Heinz Krummel mit den Vorsitzenden der Messdigemeinschaft Rudolf Schütterle, auch die Stadtkapelle Hanauer Musikverein in das künftige Programm des Kehler Messdi einzubeziehen. So treffen sich seit über 30 Jahren in unserem Festzelt tausende von Messdibesuchern, denen wir ein eigenes Musik- und Unterhaltungsprogramm mit vielen Gastkapellen bieten. Es ist unser Wunsch, daß auch künftig viele Musikfreunde, Straßenfestliebhaber, groß und klein, unser Festzelt besuchen, in dem viele, treue Vereinsmitglieder mithelfen beim Zeltauf-und abbau, der Bewirtung und dem musikalischen Programm. Wir sind auch dankbar, daß wir alljährlich von der Binding-Brauerei aus Frankfurt unterstützt werden. Diese Brauerei stiftet auch seit 1971 das Freibier für den zünftigen Faßanstich durch den Kehler Oberbürgermeister.
1971 feierte der Verein unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Dr. Trudpert Müller auf dem Sundheimer Festplatz sein 75jähriges Bestehen. Zu jener Zeit war der jetzige Bürgermeister von Bad Säckingen, Dr. Günther Nufer Präsident des Hanauer Musikverbandes. Als Gastkapellen bei diesem Jubiläumsfest waren u.a. die Polizeimusik Basel und die Stadtkapelle aus Bräunlingen anwesend.

 

Ferenc Geiger wird Dirigent

1972 wurde als Nachfolger des Dirigenten Musikdirektor Etienne Sobczak, Ferenc Geiger verpflichtet. Ferenc Geiger leitete zur gleichen Zeit das Blasorchester Heiligenzell, das unter seiner Leitung zu den besten Kapellen im mittelbadischen Raum wurde. Diesen Ehrgeiz verfolgte der junge Dirigent auch mit den "Hanauern". Viele Kompositionen und Arrangements wurden für die Kehler geschrieben. Wie sein Vorgänger, betrieb auch Ferenc Geiger eine zielstrebige Jugendausbildung. Was Ferenc Geiger in musikalischer Qualität mit einer konsequenten Schaffensfreude bei den "Hanauern" investierte, verdient eine besondere Erwähnung in der Vereinsgeschichte. Durch diesen musikalischen Aufschwung folgten viele auswärtige Verpflichtungen, wie die Teilnahme an der Bundesgartenschau in Mannheim. Mitten im OB-Wahlkampf war der OB-Kandidat Detiev Prößdorf bei dem Auftritt in Mannheim anwesend. Durch seine Beziehung erfolgte eine Teilnahme am Stadtjubiläum in Hanau. Die Teilnahme an Musikfesten in Dornbirn, Ailingen, Mühlacker, Bräunlingen und beim Weinfest in Auggen verdienen eine weitere Erwähnung.

Unter der Regie von Ferenc Geiger feierte die Stadtkapelle am 10. 1. 1976 in der Stadthalle ihren 80.Geburtstag, Unter dem Motto "Mit Musik geht alles besser" wirkten an diesem Jubiläumskonzert neben der Stadtkapelle, Willi Heidenwag mit den Zöglingen des Spielmannzuges der Kehler Feuerwehr, verschiedene Tanzgruppen des Studios Anita Heck und als Conferencier Manfred Vollet mit. Technisch und auch tonlich überzeugte an diesem Abend auch der jetzige Dirigent Wolfgang Geiger bei seinem Solo "Bayerische Posaunenpolka". Auch der jüngere Bruder, Stefan Geiger, wirkte als Klarinettist an diesem Konzert mit. Ferenc Geiger meisterte dieses Konzert als Dirigent, Solist und Arrangeur in bestechender Weise, was auch Verbandspräsident Rüdiger Hurrle in seiner Ansprache hervorhob.

1977 beteiligte sich der "Hanauer" Musikverein an der ZDF-Sendung "Die Musik kommt", von Margot und Maria Hellwig, die aus der Kehler Stadthalle gesendet wurde.
1978 endlich war es soweit: Die Stadt unterstützte finanziell den Aus-und Umbau des Proberaumes im Hanauer Museum. In vorbildlicher Eigenarbeit wurde der Kellerraum ausgebaut. Knochenfunde bewiesen den Standort eines ehemaligen Kirchhofes. Der Verein investierte auch viel Geld für neue Uniformjacken und Restaurierung der Vereinsfahne, die Dachdeckermeister Olland 1954 dem Verein spendete. Da sich der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr auflöste, mußte auch eine neue, rechtsgültige Vereinssatzung erstellt werden.

 

Jaroslav Bayer - Dirigent

1981 finden wir mit dem Prager Musiklehrer Joroslav Bayer einen würdigen und hervorragenden Nachfolger für Ferenc Geiger. Herr Bayer war nach Karlsruhe umgesiedelt und suchte neben dem Musikverein Eggenstein eine weitere Kapelle. Er selbst war an der Musikschule in Karlsruhe tätig. Wie sein Vorgänger leitete er fast zehn Jahre die Stadtkapelle. Aufgrund seines musikalischen Studiums, das er mit dem besten Zeugnis abschloß, lagen die Stärken von Herrn Bayer in der böhmischen Volksmusik und Klassik. Auch er komponierte viele Blasmusikstücke (Marsch Kehler Messdi, B36 - eine Erinnerung an seine wöchentliche Fahrt zu den Kehler Proben) und Konzertstücke der E-Musik.

Aus seinem Heimatland wurden viele beliebte Polkas mit den Hanauern einstudiert. Mit Herrn Bayer machte die Stadtkapelle auch mehrere Hörfunkaufnahmen beim SDR (heute SWR) in Karlsruhe. Eine Konzertreise führte auch nach Hamburg, zu einem mehrtägigen Musikfestival noch Calella in Spanien und in seine Heimat nach Brandy in Prag. Inzwischen lebt Herr Bayer wieder in seiner Heimat und leitet dort eine Musikschule. Er besucht regelmäßig seine Vereine in Deutschland.

Mit einem Festkonzert am 28. Mai 1986 feierte der Verein in der Kehler Stadthalle seinen 90. Geburtstag. Die Musik stand im Mittelpunkt des Abends. Die Kapelle und ihr Dirigent Joroslav Bayer zeigten sich in bester Spiellaune. Es war ein einspruchvolles Konzert. Genau vor 90 Jahren hatte Richard Strauß seine Ouvertüre " Also sprach Zarathustra " geschrieben, mit der die Hanauer das Konzert begannen. Hier wurde Philosophie in Musik umgesetzt (von Strauß und den Musikern mit ihrem Dirigenten), auch ein weiteres Werk aus dem letzten Jahrhundert - John Philip Sousas "Washington Post" - fand hervorragende Kritik.

"Diesen Marsch hatte Bayer mehr tänzerisch angelegt und die Kapelle hat dabei den rechten Sousa-Ton getroffen, eine eigenartige Mischung aus mitreißendem Schwung und gefühlvoller Besinnlichkeit, die immer wieder ineinander übergehen." So aus dem Zeitbericht von Urs Brischle.

 

Trachtentanzgruppe

Ein Jahr vor unserem 90. Jubiläum trat auch ein Wechsel in der Leitung unserer Trachtentanzgruppe ein. Nach 25 Jahren Leitung dieser Tanzabteilung durch Anita Heck übernahm Frau Marianne Mehne die Leitung und Ausbildung, Durch ihren engagierten Einsatz erhielt die Trachtentanzgruppe einen starken Zulauf. Zeitweise waren über 60 Aktive in drei Tanzgruppen. Ihre Darbietungen beim Familienabend, Kehler Messdi und vielen gemeinsamen auswärtigen Auftritten waren stets gern gesehen und eine oft willkommene Bereicherung der Programme. So 1985 beim Internationalen Trachtenfest in Karlsruhe, Wein- und Stadtfeste im benachbarten Elsaß in Barr, Obernai, Rosheim, Bischheim, Winzerfest 1986 in Auggen, Internationales Folkloretreffen in Saas-Fee (Schweiz).

1990 Europäisches Grenzlandtreffen in Bitburg, 1991 Weinfest an der Mosel in Bruttig-Fantel und die regelmäßige Teilnahme an den Kreistrachtenfesten im Ortenaukreis und bei Landesgartenschauen.
Im April 1992 hatte unsere Kindertrachtengruppe mit Frau Mehne und einigen Musikern und Begleitern ein besonderes Erlebnis:
Als einzige deutsche Trachtengruppe nahm man zehn Tage am Internationalen Kinderfest in Izmir in der Türkei teil. Dank großzügiger Spenden Kehler Firmen, des Landes und der Stadt konnte diese einmalige Einladung durchgeführt werden. Ein Jahr später folgte für die Trachtentanzgruppe über die Unicef eine einwöchige Einladung zum Kindertrachtenfest in Saint Maixent l'école in Frankreich.

Unsere drei Tanzgruppen hatten beim Familienabend 1994 ihren letzten gemeinsamen Auftritt in Kehl. Frau Marianne Mehne trat als Leiterin dieser Gruppen zurück, eine geeignete Nachfolgerin zu finden verlief zu unserem Bedauern ergebnislos. Alfons Hausmann und Helmut Wernigk, aktive der Erwachsenentanzgruppe, waren jedoch bereit, die Kinder- und Jugendtanzgruppen zu übernehmen.

Bei der Stadtkapelle gab es auch beim Kehler Messdi 1990 einen Dirigentenwechsel. Herr Jaroslav Bayer übergab an den 22jährigen Rainer Bär aus Önsbach den Dirigentenstab. Herr Bayer hatte rechtzeitig seine Rückkehr noch Prag angekündigt. Es war für den Verein nicht einfach, einen geeigneten Nachfolger zu finden. Nach verschiedenen Vorstellungen hatten sich die Aktiven und die Vorstandschaft für Rainer Bär entschieden. Der gelernte Bankkaufmann hatte nach einer gründlichen Ausbildung als Klarinettist an der Musikschule in Achern und an der Bundesakademie für Blasmusik in Trossingen erfolgreich den Dirigentenlehrgang absolviert.

 

Die "Hanauer" in Prag

Herr Bär begann nach den Pfingstferien mit seiner Probenarbeit in Kehl. Über die Pfingsttage hatte Jaroslav Bayer die Musiker zu einem Konzert in seine Heimat eingeladen. Er hatte diese Reise nach Prag auch bestens vorbereitet, so daß das gesamte Reiseprogramm die Kehler sehr beeindruckte.
Die "Hanauer" hatten im Herbst 1990 beim Musikverein Wagshurst ihren ersten Auftritt mit Herrn Bär. Da auch viele Konzertbesucher aus Önsbach anwesend waren, war es für die Dirigenten fast ein Heimspiel.
Die Programmansage übernahm erstmals auch Elisabeth Baumert, die Ehefrau unseres stellvertretenden Vorsitzenden. Elli meisterte ihre Aufgabe so hervorragend, daß sie seither beim alljährlichen Konzert- unf Familienabend die Moderation übernimmt.

Im November erfolgte auch die Einweihung des ersten Abschnittes der neuen Kehler Fußgängerzone. Zu diesem Anlaß wirkten auch die Hanauer mit.

Über den ersten Familienabend 1991 des Dirigenten Rainer Bär berichtete die Kehler Zeitung mit folgender Überschrift: "Von Blasmusik-Barock zu Count Basie - der Junge bekommt den "Hanauern" bestens".
Mit sehr exaktem Spiel und beschwingten Tanzdarbietungen wurde ein entsprechendes Programm geboten. Wegen des Golfkrieges mußte, wie bei anderen öffentlichen Veranstaltungen, an diesem Abend auf das anschließende obligatorische Tanzvergnügen verzichtet werden.

Neben verschiedenen auswärtigen Auftritten gab es für den Verein auch einige Geburtstagsständchen, die ihre Erwähnung verdienen. So spielten die "Hanauer" zum 70. Geburtstag von Otti Schütterle, deren Ehemann Fritz wegen seiner langjährigen aktiven Musikertätigkeit auch Vorstandsmitglied war. Auch das für den Verein sehr wichtige Amt des Festwirtes am Kehler Messdi übte er viele Jahre aus, bevor er es an Rolf Schütz übergab und das heute von Alfons Hausmann ausgeübt wird. Auch das Mitglied Oskar Gerbert hatte zum 70. Geburtstag eingeladen sowie die Ehrenmitglieder Ernst Müller und Karl Beinhardt aus Lichtenau jeweils zum 85. Geburtstag. Auch für den Wiedergewählten OB Prößdorf gab es am 10. März ein musikalisches Ständchen.

 

Wolfgang Geiger übernimmt das Orchester

Einen Dirigentenwechsel gab es im Frühjahr 1993. Rainer Bär bat aus zeitlichen und beruflichen Gründen um seinen Rücktritt. Durch seine Entscheidung, die ihm selbst nicht leicht viel, aber die berufliche Ausbildung - Realschullehrer - in Freiburg waren ausschlaggebend. Für die Dirigentensuche hatte der Verein glücklicherweise Zeit. Mit Wolfgang Geiger, der sich in Kehl selbstständig gemacht hatte, war die Dirigentenbesetzung schnell gelöst. Wolfgang Geiger, der bis 1992 17 Jahre das Blasorchester Oberschopfheim leitete, hatte mit dem Musikverein Legelshurst nur einen Verein und war kurzfristig bereit, die Stabführung zu übernehmen.

Wolfgang Geiger hatte schon mehrfach bei den "Hanauern" mitgespielt, seine Frau war viele Jahre auch aktives Mitglied in Kehl. Wie sein Bruder Ferenc hat sich Wolfgang Geiger sehr früh für die Musik entschieden.Mit neun Jahren war er schon in Kapellen aktiv. Nach dem Abitur war er vier Jahre Zeitsoldat im Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr in Hilden und im Luftwaffenmusikkorps Neubiberg (München). Vor seinem dreijährigem Studium an der Musikhochschule in Karlsruhe von 1982 - 1985 hospitierte er am Richard-Strauß-Konservatorium in München.

Bevor er 1986 den Legelshurster Musikverein übernahm, war Wolfgang Geiger vertraglich als Aushilfe für Posaunisten beim Staatstheater in Karlsruhe. Daneben widmete er sich der Komposition und schrieb nahezu 100 Arrangements für Blasmusikorchester.

Unter dem neuen Dirigenten Wolfgang Geiger nahmen die Hanauer erfolgreich an einem Blasmusikwettbewerb des SWF (heute SWR) in Todtmoos sowie am Blasmusikfestival des Ortenauer Blasmusikverbandes in Kippenheimweiler teil. Man erreichte in Kippenheimweiler in der Oberstufe die Bestnote und als einziger Dirigent erhielt Wolfgang Geiger einen Geldpreis für die beste Eigenkomposition "Samy und Mike". Inspiriert zu dieser Komposition wurde Geiger durch seine Patenkinder. Die Quailität dieser Komposition befanden die Fachjuroren als erfolgreichen Wettbewerbstitel.

Somit hatte Wolfgang Geiger einen fundierten Einstieg bei der Kehler Stadtkapelle. Daneben erarbeitete er Konzepte für eine bessere Jugendausbildung, die inzwischen auch Früchte trägt und konsequent weitergeführt wird.

Das 1. Jahreskonzert 1994 unter dem neuen Dirigenten begeisterte ein aufmerksames Publikum in der Kehler Stadthalle. Es war leider auch der letzte Auftritt unserer drei Trachtentanzgruppen unter der Leitung von Marianne Mehne. Noch ihrer Kündigung standen wir vor einem neuen personellen Problem. Trotz vieler Bemühungen fanden wir zunächst keine neue Leiterin für diese Vereinsabteilung, die so schnellen Aufschwung genommen hatte. Schließlich waren es Helmut Wernigk und Alfons Hausmann, beides engagierte Vorstandsmitglieder und Aktive der Tanzgruppe, die die Kinder-und Jugendtanzgruppe als Tanzleiter übernahmen.

In diesem Jahr fand auch der Kehler Messdi erstmals auf dem neu gestalteten Marktplatz statt. Daß unser verkleinertes Festzelt auch künftig seine Standfestigkeit erhält, waren viele zusätzliche Messdivorbereitungen notwendig. An dieser Stelle ist besonders unserem Ehrenmitglied Paul Kehret, der Firma MFB Dieter Kehret und dem städt. Tiefbauamt für die Beratung und die finanzielle Unterstützung zu danken, Das Festzelt ist zwar kleiner und unlösbar ist das Problem des Wiederhalls durch den Bodenbelag. Aber wir haben jetzt einen trockenen Boden. Auch unsere finanziellen Aufwendungen für den neuen Festplatz waren beachtlich, wir sind aber guter Hoffnung, daß sich solche Investitionen für das traditionelle Festzelt lohnen.

Am 1. April 1995 fand erstmals in Önsbach ein Doppelkonzert der Dirigenten und Brüder Wolfgang und Ferenc Geiger statt.

Im gleichen Jahr gab es bei der Hauptversammlung zwei bedeutsame Änderungen in der Vorstandschaft: Für Ehrenmitglied Manfred Geiler wurde Martin Beck neuer Kassenverwalter und als neuer, stellvertretender Vorsitzender wurde Martin Baumert gewählt. Er löste Andreas Stiebner ab, der neun Jahre zuverlässig den Vorsitzenden in der Vereinsführung unterstützte, Manfred Geiler war seit 1963 ununterbrochen für die Verwaltung unserer Finanzen verantwortlich. Bestens kennt er die Höhen und Tiefen unserer Finanzen, die er sorgsam verwaltete. In all den Jahren gab es bei den Kassenprüfungen bei diesem Fachmann keinerlei Gründe der Beanstandung. Eine so langjährige Tätigkeit im Vorstand unseres Vereins ist bisher einmalig.

Für 1996 hatten wir uns um die Durchführung des Ortenauer Kreistrachtenfestes beworben. Wir waren aber gut beraten, rechtzeitig auf diese Veranstaltung zu verzichten. Es waren ausschließlich finanzielle Gründe, die uns zu diesem Entschluß zwangen. Heute sind wir alle überzeugt, daß unsere Entscheidung richtig war. Wir setzen uns umsomehr für eine solide Jugendausbildung ein, sie ist sehr teuer, aber wichtig und notwendig.

Die Kehler Zeitung beschrieb unser Konzert und den Familienabend am 27.1.1996 mit der Überschrift: "Gut gerüstet ins Jubiläumsjahr".

Das haben die diesjährigen Auftritte bewiesen. Alle denken noch gern an das Weinfest am 15.9.1996 in Auggen, an den großartigen Festzug mit den Hanauern und an ihre Tanz- und musikalischen Darbietungen in der Winzerhalle. Alle denken noch gern zurück.

Zum 100jährigen Vereinsjubiläum 1996
zusammengestellt von
Rolf Sohns - Ehrenvorsitzender

....wird fortgesetzt